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Geschichte. |
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| Man kann nicht sagen, daß die Weser Einfluß auf das Stadtbild Mindens genommen hat. Diese Formulierung wird dem Fluß nicht gerecht. Die Weser ist der Grund, warum sich Menschen hier niederliessen und vor mehreren tausend Jahren an ihrem Ufer eine Siedlung gründeten. Die Art und Weise in welcher sich Minden entwickelt hat ist somit unlösbar mit dem Fluß verbunden, sei es als positive oder negative Reaktion. Auf der Weserterrasse, der oberen Altstadt, bot sich ein sicherer Ort, um die erste Furt nördlich der Porta Westfalica und die sich hier aus allen Himmelsrichtungen kreuzenden Handelswege zu überwachen. Auch wenn die Bürger schon zu Beginn der Stadtbildung auf der Weserterrasse lebten, so wurde einer der ersten und bis heute dominantesten Zeugen der urbanen Siedlung auf einer kleinen Insel im Überschwemmungsgebiet der Weser gebaut. Der Dom. Alle Risiken in Kauf nehmend orientierte man sich mit der herrschaftlichen Stadtentwicklung so nah wie möglich am Fluß, um zu zeigen, wer der Herr an der Furt war. Der Dom, die Kurien des Domes, das Michaelis Kloster, das Rathaus, der Markt, das Gericht, die Kirche der Kaufleute und das Haus der Kaufleute lagen alle im Hochwasserbereich. Wer etwas auf sich hielt mußte nah am Wasser gebaut haben. Die Liste der Verbindungen zwischen der Stadtentwicklung und dem Fluß ist lang:
Dementsprechend sah das Stadtbild auch lange aus. |
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Wer von Süden kam betrat die Stadt bereits im Bereich der Birne und verließ sie erst wieder vor der Nordbrücke. Ein langes, sporadisches Siedlungsband erstreckte sich am westlichen Ufer der Weser. Die Stadt floß in ihren Kindertagen quasi parellel zum Fluß und hätte sich vermutlich weiterhin als Siedlungsband am Verlauf der Weser orientiert. Da zunehmende Unruhen die Siedlung bedrohten und die von der Furt abgelegenen Teile schutzlos waren, begann man die Stadt zu befestigen. Die systematischen Arbeiten an der Festung seit dem 15. Jahrhundert führten dazu, daß die Siedlung dem Fluß den Rücken kehrte und diesen nur noch an der Weserbrücke berührte. Die ältesten Darstellungen, welche Minden schon als Festung zeigen, machen dies deutlich. Zwar spielen die Schiffsmühlen und die Weserbrücke noch eine wichtige Rolle, aber die stetig wachsenden Mauern entlang des Ufers führten zu einer Abkopplung des täglichen Lebens vom Fluß. Der Schwerpunkt der Stadt verlagerte sich. Zusätzlich wurden das Bett der Weser und die Uferbereiche durch den Menschen verändert. In vielen Bereichen des Stadtzentrums verschwand der Einfluß der Wesers und des Wassers auf das Stadtbild. · Der erste Dom lag auf einer Insel, ca.4m über dem umliegenden feuchten Gelände. Durch Bauschutt wurde das Gelände so angehoben, das der Eingang des Domes nun in einer Senke liegt. · Wo heute der ZOB liegt flossen Bäche und lagen feuchte Wiesen. Diese wurden zur besseren Bewirtschaftung trocken gelegt. · Der Seidenbeutel am BÜZ war eine trockene Erhebung am Ufer der Weser Hier passierte das gleiche wie am Dom. · Zwischen Rathaus und Dom floss der Königsborn zur Weser. Der Born versiegte nach Baumaßnahmen an seiner Quelle im Brühl. · In der Pulverstrasse wurde die Pulvermühle mit dem Wasser betrieben, welches an der Stadtmauer floss. Im Rahmen des Festungsumbaus wurde das Gelände an der Pulverstrasse weiter aufgeschüttet und der Bachlauf wurde verlegt. · Wer heute vom Markt in Richtung Stadttheater geht, der wäre vor ein paar hundert Jahren durch die Öffnung der Stadtmauer gegangen an welcher man den Abfall des Wochenmarktes über die Bastau in die Weser geleitet hat. Auch hier wurde der Lauf der Bastau verändert und das Gelände urbar gemacht. · Schon mal im Holiday Inn gewesen? Dort stand eine Wassermühle. · Viele Ortsbezeichnungen weisen noch heute auf die Anwesenheit von Wasser in der Stadt hin: Leiterstrasse, Bleichstraße, Krumme Kisaustrasse, etc.. Der Niedergang der Fischerstadt und des Klosters St.Mauritz sind die besten städtebaulichen Beispiele. Residierten in der Fischerstadt früher die wohlabendsten Bürger, so verkam dieses Quartier als man den Zugang zur Weser sperrte und Strand vor den Haustüren durch eine Mauer ersetzte. Lag die Stadt früher auf beiden Seiten des Flußes, so war dieses Kapitel mit dem Abbruch des Klosters St.Mauritz am Ostufer Geschichte. Das Stadtbild konzentrierte sich am Westufer und der Fluß lag nun hinter der Stadt. Dort wo man das Wasser noch in die Stadt hineinließ, saßen die Gerber und Bleicher, wurde der Müll entsorgt oder Viehtränken angelegt. Die frühere Einheit von Siedlung und Fluß schwand zusehends, die Festung durfte nur zu festgesetzten Zeiten verlassen werden und die Weser diente der Abfallentsorgung. Der Fluß war nun nicht mehr die Lebensader, sondern eine praktische Kloake. Dieses Bild hat sich seit Generationen manifestiert und die massive Veschmutzung durch Landwirtschaft und Industrie hat ihren Teil dazu beigetragen, daß der Fluß nach dem Schleifen der Festung nicht wieder in die Stadt integriert wurde. Die fortgesetzte Abkehr der Stadt vom Fluß war die logische Konsequenz. |
Weser in Minden , 1935 [unbekannt]
Sprengung der Kanalbrücke, 1945 [unbekannt]
Weser in Minden nach Sprengung der Kanalbrücke, 1945 [unbekannt] |
Heute. |
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| Heute steht die Festung zwar nicht mehr und die Verschmutzung ist zu großen Teilen Geschichte, aber die Stadt wahrt weiterhin den respektvollen Abstand zum Fluß. Das Glacis als vegetativer Nachfolger der Festung trennt auf charmante aber eindeutige Weise, die letzten Flußschwimmbäder sind im 20. Jahrhundert verschwunden, die größten öffentlichen Räume an der Weser sind Parkplätze und wäre nicht die "neue" Fußgängerbrücke, so wäre der Ausbau der Schlagde 1755 die letzte stadtplanerische Maßnahme gewesen, welche sich darum bemühte die Stadt und den Fluß zusammenzubringen. So sehr man auch den Fluß aufgrund seiner Mächtigkeit im Alltag wahrnimmt, so ist der Anteil des täglichen Lebens an den Ufern der Weser verschwindend gering. Nimmt dieser in den letzten Jahren auch wieder zu, so handelt es sich meist um einzelne Initiativen und von einer geplanten Hinwendung sind wir weit entfernt. |
Stadtdurchgang Minden 2006 [ Sönnichsen&Partner] |
Ideen und Visionen der weserfreunde e.V. |
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Dabei ist die Ausgangslage ist denkbar günstig. Die Schnittstellen zwischen der Stadt und dem Fluß sind keine Problemzonen mehr, sondern bergen ein landschaftliches und städtebauliches Potential, welches endlich wieder entdeckt werden kann.
Durch die Wiederentdeckung der Weser kann ein in der Region einmaliger Raum mit einer attraktiven Mischung aus urbanem Leben und beeindruckender Landschaft entwickelt werden. |
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