[Sie sind hier: > projekt stadtpegel > weitere Informationen]

stadtpegel - weitere Informationen

Geschichte und Hochwasserverhalten.

Die Stadt Minden wurde in der Vergangenheit mehrfach von extremen Hochwasserereignissen heimgesucht. Dies dokumentiert schon der Hochwassermerkstein in Minden im Glacis. Seine älteste Marke datiert aus dem 17. Jahrhundert.

Für das große Einzugsgebiet der Weser gilt, dass nur großflächige Niederschläge zu Hochwasser führen. Der Hochwassercharakter der Weser wird vor allem durch das Relief sowie dem Gewässernetz geprägt.
Das Relief des Einzugsgebietes bis zur Porta Westfalica ist das des Mittelgebirges und daher (verglichen mit benachbarten Flusssystemen) lebhaft. Die Talräume sind klein, das heißt die Abflusskonzentration erfolgt in kurzen Zeiträumen.

Im Weserbergland überlagern sich aufgrund ihrer y-Struktur die Hochwasserwellen der Quellflüsse Fulda und Werre, auch die 45km unterhalb mündende Diemel erhöht den Hochwasserabfluss noch beträchtlich. Weiter nördlich hingegen nimmt diese Aufhöhung ab - hier laufen die Hochwasserwellen der Nebenflüsse dem Scheitel der Weser vorweg (z.B. Werre).

Wenn auch die Weser im Vergleich zu anderen Flusssystemen im Flachrelief im Hochwasserfall als schnell zu bezeichnen ist, brauchen Hochwasserscheitel zur Scheitelentwicklung auf Grund der Gebietsgröße dennoch Tage - Zeiträume, in denen Vorsorgemaßnahmen organisiert werden können.

Hochwassermerkstein Minden [Sönnichsen&Partner]

Relief der Oberweser [Sönnichsen&Partner]

Schadenspotenzial.

Das Schadenspotenzial bei einem Hochwasser, wie es zuletzt 1946 aufgetreten ist, bewirkt einen Schaden von ca. 26 Mio. [Hochwasser-Aktionsplan Weser, StAfUA OWL, 2005].

 

. Schaden bei HQkat [T] Schaden bei HQ100 [T]] Schaden bei HQ50 [T] Schaden bei HQ25 [T]
Schadenspotenzial 53.202 25.989 17.182 12.140

Bahnhof Minden, Hochwasser 1946 [Kommunalarchiv Minden]

Maßnahmen.

Der gesamte Stadtdurchgang Minden präsentiert sich im Gesamtverlauf der Weser als herausragend hochwasserempfindlich. Der wirksame Abflussquerschnitt hat eine Breite von im Mittel 300m, die sich im Bereich der Querung der L 534 auf zwei Arme aufteilt. Diese Engpasssituation verlangt für den Hochwasserschutz, dass der gesamte Stadtdurchgang unter dem Aspekt Leistungsfähigkeit behandelt wird. Das gilt für die Unterhaltung und auch für Veränderungen. 
  • Vorlandnutzung ausschließlich als Grünland und Pflege durch Schafhaltung oder Mahd.
  • Einrichtung eines Kontrollprofils zur Messung der Vorlandaufhöhung durch Sedimentablagerung
  • modelltechnische Untersuchung der Auswirkung einer großflächigen Abgrabung des Vorlandes - kann hierdurch eine Absenkung des Wasserspiegels im gesamten Stadtdurchgang Minden erzielt werden?
  • Pegelneubau im Bereich der Schlagde mit warnender und informeller Wirkung 

[alle Maßnahmen aus Hochwasser-Aktionsplan Weser, StAfUA OWL, 2005]

 

Überschwemmungsgebiet in Minden bei HQ100 [HWAP Weser, StAfUA OWL ; 2005]

 

Alle Maßnahmen sollten so erfolgen, dass Eingriffe auf bestehende Infrastruktur (Leitungen, Kanäle etc.) möglichst nicht oder nur in geringen Umfang stattfinden, um Mehrkosten zu vermeiden. Generell ist vor der Durchführung solcher Maßnahmen zu überprüfen, ob Sie mit anderen, konkurrierenden Anforderungen (Lage im Landschaftsschutzgebiet, politischen und kulturellen Anforderungen (z.B. Naherholung im Auengebiet (Nutzung von "Kanzlers Weide"), Komplikationen mit Altlasten, etc.) in Einklang zu bringen ist und welche Konsequenzen sich ergeben (z.B. Flächenausgleich, Planfeststellung, etc.). Die wirtschaftliche, umweltbezogene und politische Bedeutung auf der einen Seite ist mit dem Hochwasserschutz auf der anderen Seite in jedem Fall sinnvoll abzuwägen.
 

> zurück zur Projektseite Stadtpegel Minden